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Ein erster Bericht aus dem „kalten Kamerun”



1. September 2004, 17.30 Uhr:

Eine halbe Stunde früher als geplant setzt mein Flugzeug zur Landung in Douala an. Ich steige aus dem Flugzeug und blicke mich um: Hitze, Feuchtigkeit, lachende Menschen umringen mich. Mein netter Flugnachbar nimmt mich an der Hand und begleitet mich durch den Flughafen. Dabei rennt er jedoch 10 Meter vor, verschwindet im Getümmel, erinnert sich dann meiner und rennt zu mir zurück.

Meine Befürchtungen, dass wir eine halbe Stunde zu früh sind und die Person, die mich abholen sollte, noch nicht da sein könnte, lösen sich bald auf. Denn diese halbe Stunde verbringe ich mit ungeduldigen, aber fröhlichen Afrikanern vor der Impfpass- und Passkontrolle.

Als ich schließlich hindurch bin, erblicke ich auch schon meinen künftigen „Chef“, Father Daniel Ache, den Jugendpfarrer von Kumbo. Mit offenen Armen werde ich herzlich in Empfang genommen. Nachdem wir mein Gepäck zusammenhaben, verlassen wir das Flughafengebäude. Draußen erwartet uns schon der Fahrer des Bischofs, der mich ebenfalls gleich freundlich begrüßt. Nach einem reichlichen Abendessen übernachten wir in einem katholischen Gästehaus.

Am nächsten Morgen um 5.45 Uhr brechen wir nach Kumbo auf – das ungefähr 500 km von der Hafenstadt Douala entfernt liegt – und kommen 9 Stunden später an. Neugierig blicke ich mich um und bin gespannt auf meine Unterkunft. Nach einem guten Mittagessen im Bischofshaus werden auch gleich die Schlüssel gesucht und dann werde ich – oh Verwunderung – zu meinem Haus geführt. Hier erlebe ich meinen ersten „Schock”: Das Haus ist viel zu groß für mich alleine und reichlich verstaubt.

Aller Anfang ist schwer. Dass er aber so schwer sein kann, hätte ich nicht gedacht.

Drei Wochen bin ich nun schon in Kumbo und lebe mich langsam ein. Die ersten Tage und Wochen mit den vielfältigsten, immer wieder neuen Eindrücken und unterschiedlichsten Erfahrungen waren nicht ganz einfach.

Bereits in den ersten Tagen erlebte ich Abende ohne Strom – und wusste gar nicht, wie hell eine Kerze sein kann – und Tage ohne Wasser. Es waren schwierige Tage, da ich noch keine Wasservorräte vorbereitet hatte. Schnell merke ich: besser kein Strom als kein Wasser.

Die erste Woche verbringe ich abends damit, mein Haus zu putzen. Dank der Hilfe von Luisa, einer Mitarbeiterin des Jugendteams, und ihren drei Schülern bin ich nach einer Woche damit fertig. Mein Haus, so finde ich anfangs, ist etwas zu groß für mich: Es hat drei Schlafzimmer und ein leeres Zimmer, Bad, Küche mit Abstellraum und ein Wohnzimmer, von denen ich jedoch die beiden Schlafzimmer und das leere Zimmer gar nicht benutze. Anfangs fühle ich mich also etwas verloren, doch mittlerweile freunde ich mich mit der Größe an.

Nachts muss ich mich an die Eulen und Krähen gewöhnen, die in meinem Dach wohnen und manchmal einen solchen Lärm machen, als ob fünf Leute mit aller Kraft oben herumlaufen würden. Zum Glück kann ich jedoch nachts gut schlafen, da ich abends gegen 21.30 Uhr oft sehr müde ins Bett falle. und manchmal einen solchen Lärm machen, als ob fünf Leute mit aller Kraft oben herumlaufen würden. Zum Glück kann ich jedoch nachts gut schlafen, da ich abends gegen 21.30 Uhr oft sehr müde ins Bett falle.

Den ganzen Tag über bin ich sehr beschäftigt. Morgens gegen 8 Uhr werde ich von der sehr netten Schwester Kah abgeholt und wir fahren ins Jugendzentrum, das im Stadtteil Tobin liegt. Das Jugendteam besteht aus 8 Personen:

  • Father Daniel Ache, „Chef“ des Jugendteams – er ist der Jugendpfarrer, gleichzeitig aber noch für viele andere Aufgaben verantwortlich und deshalb oft unterwegs;
  • Schwester Kah, ebenso „Chefin“ – da Daniel oft nicht da ist, nimmt sie sich meiner sehr an und zeigt mir alles;
  • Eucharia, Sekretärin – doch sie ist nebenbei auch noch für viele andere Dinge zuständig;
  • Luisa – sie arbeitet in der „Computerabteilung” und gibt Schülern Computerunterricht;
  • Winifred, die einzige Person, die von Anfang an im Jugendteam mitgearbeitet hat – sie sorgt für das leibliche Wohl und für Ordnung im Jugendzentrum;
  • Denis – er ist für das “printing department” zuständig;
  • Paul – er kümmert sich um die Bibliothek;
  • Peter – der Fahrer des Jugendteams.




Eucharia, Mitarbeiterin des Jugendteams
des Bistums Kumbo
Ephraim und Makelia, Mitarbeiter des Printing and
Communication Center des Bistums Kumbo


Wie sieht die Jugendarbeit hier aus?

Zunächst einmal ist sie komplett anders, als man sich Jugendarbeit in Deutschland vorstellt. Das Jugendzentrum in Kumbo ist vielmehr so etwas wie eine „Verwaltung“ der Jugendarbeit im Bistum Kumbo. Wir arbeiten also im Moment nicht direkt mit Kindern und Jugendlichen zusammen. Dies wird sich jedoch ändern, wenn wir ab Oktober – nach Ende der Regenzeit – die Wochenenden über in die vielfach sehr entlegenen Gemeinden fahren und dort mit Jugendlichen zusammenkommen werden. Auch ist es wichtig zu wissen, dass Jugendliche hier anders definiert werden. Unter „Jugendlichen“ kann man in Kumbo Personen bis zum Alter von 40 Jahren verstehen, da die „jungen Leute” oft sehr lange von ihren Eltern abhängig sind und es nicht üblich ist, sich ab einem bestimmten Alter „selbständig“ zu machen.


Wie sieht ein Tag im Jugendzentrum aus?

Sobald wir morgens eingetroffen sind, reinigen wir zunächst einmal den Campus. Danach kommen wir normalerweise alle zur „Morgenrunde” zusammen, beten und singen gemeinsam, und dann werden Neuigkeiten ausgetauscht, wir unterhalten uns über Politik und alles, was so in der Welt passiert. Anschließend geht jeder seinen Tätigkeiten nach.

Derzeit sind wir damit beschäftigt, alles für den Besuch von Bischof Kamphaus Anfang Oktober vorzubereiten. Seit Tagen basteln wir schon diverse Dekorationen aus bunten Papierstreifen – so dass ich wahrhaftig schon Muskelkater in den Fingern und Unterarmen verspüre.

So sind wir den ganzen Tag über beschäftigt, bis ich dann abends gegen 18.00 Uhr nach Hause komme. Nach einem Abendessen im Bishop’s House zusammen mit dem Bischof, der übrigens sehr nett und zuvorkommend ist, bin ich abends so müde, dass ich mich nur noch ins Bett lege und schlafe

Nachdem ich die ersten „Schocks” überwunden habe, gefällt es mir hier immer besser. Dennoch sind die Tage eine Achterbahn der Gefühle. Einmal fühle ich mich gut, ein anderes Mal komme ich mir hilflos und einsam vor, vor allem wenn auf einmal die unterschiedlichsten Eindrücke und Erlebnisse auf mich einströmen und ich diese erst einmal verdauen muss.

Die Menschen hier sind jedoch sehr nett und geben sich sehr viel Mühe. So wurde ich z.B. eines Tages gefragt, ob mich hier in Kumbo etwas erstaunt habe. Darauf antwortete ich, dass ich sehr verwundert darüber sei, dass sich die Menschen hier oft sehr europäisch kleideten. Daraufhin kamen am nächsten Tag meine Mitarbeiterinnen in den schönsten afrikanischen Gewändern gekleidet, um mir eine Freude zu machen. Später erfuhr ich den Grund für die europäische Kleidung: Diese ist hier nämlich wesentlich billiger als einheimische Stoffe; während ein T-Shirt („second hand“) um die 500 CFA (~ 80 Cent) kostet, kann ein Stoff bis zu 7000 CFA (~11 Euro) und mehr kosten.

Auch die Landschaft um Kumbo herum gefällt mir sehr gut. Kumbo liegt weit verstreut über Hügel und Täler, so dass man hier ständig entweder am Auf- oder Absteigen ist – jedoch fast nie auf einer ebenen Strecke läuft. Da wir uns noch in der Regenzeit befinden (allerdings schon gegen Ende), ist die Landschaft noch schön grün.

Auch das Klima ist noch sehr angenehm – aber gewöhnungsbedürftig. Tagsüber ist es relativ kalt, so dass ich in langer Hose und Pullover herumlaufe. Nachts ist es so kalt, dass ich unter zwei Decken schlafen muss – und ich habe mir leider auch bereits eine hartnäckige Erkältung geholt.



Ein Blick auf das gebirgige Kumbo Mein Wohnhaus



Die Straßen sind sehr schlecht. Als wir z.B. eines Tages in ein acht Kilometer entferntes Dorf fuhren, brauchten wir dafür eine gute halbe Stunde. fuhren, brauchten wir dafür eine gute halbe Stunde.

Vieles läuft mit öffentlichen Verkehrsmitteln ab und die Stadt wimmelt nur so von Taxis. Diese öffentlichen Verkehrsmittel sind allerdings ein Erlebnis für sich. Die Afrikaner schaffen es tatsächlich, sich bis zu neunt in ein Taxi zu quetschen: Dabei sitzen zwei auf dem Beifahrersitz, einer zwischen den beiden und dem Fahrer, vier Leute drücken sich auf dem Rücksitz zusammen, und der neunte legt sich oben auf das Dach! Hätte ich das nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich es persönlich nur schwer für möglich halten.

Zum Glück wird jetzt immer mehr darauf geachtet, dass die Taxis nicht so überfüllt sind – da dies dann doch sehr gefährlich auf den Straßen sein kann.

Auch ich bin bereits mit einem sog. „Buschtaxi“ gefahren, als mich Father Robert Tanto, den ich im Sommer schon bei seinem Besuch in Frankfurt kennengelernt hatte, über ein Wochenende in seine Gemeinde in die Stadt Nkambe eingeladen hat. Ein Buschtaxi ist ein kleiner Bus, der normalerweise etwa 11 Personen transportieren kann; unser Buschtaxi schaffte 16!

Das Wochenende in Nkambe war sehr schön. Bereits bei meiner Ankunft empfing mich eine Gruppe von kleinen Kindern, die gekommen war, um mich zu sehen, da sie gehört hatte, dass eine weiße Person erwartet werde. Abends wurde ich dann von einigen Mitgliedern des Pfarrgemeinderats empfangen; eine Gruppe von älteren Kindern hat mehrere Lieder vorgetragen und eine Willkommensrede gehalten.

Nkambe liegt noch etwas höher als Kumbo, so dass es noch kälter war; und die wunderbare grüne Landschaft gefiel mir fast noch besser als die um Kumbo herum.

Jeder Tag dieser ersten drei Wochen war also ein Abenteuer und eine Erfahrung für sich, und ich bin bereits gespannt, was die folgende Zeit für Erlebnisse mit sich bringen wird ... doch mehr davon in meinem nächsten Bericht aus Kamerun.

Ich grüße alle sehr herzlich.

Krysia Peterek
Kumbo, am 24. September 2004


P.S.: Falls mir jemand einmal einen Brief schreiben möchte (oder e-mail, Telefon...), hier ist meine

Anschrift:

Christina Peterek
Catholic Diocese Kumbo – Youth Team
P.O.Box 115
KUMBO
N.W.Province
CAMEROON

e-mail: Peterek2@yahoo.de
Handy: 01015-00237-735 21 91

 
 
 
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